

Das Projekt soll ein Meilenstein der Erforschung und der Präsentation der Nieder-Olmer Vergangenheit werden und kann Pilotprojekt für weitere Rekonstruktionen in der Region sein.
Dr. Elmar Rettinger (Projektmanager)
3D-Rekonstruktion der Laurenziburg
Vor fünf Jahrzehnten wurde Nieder-Olm zur Verbandsgemeinde und erhielt zentralörtliche Funktionen – die es bereits in der Vergangenheit innehatte. Als zentraler Ort im Einzugsgebiet des Mainzer Erzbischofs spielte die Stadt eine bedeutende Rolle in der regionalen Verwaltung und Politik. Ein zentrales Symbol dieser Bedeutung war die Laurenziburg, der Amtssitz des Vertreters des Mainzer Erzbischofs. Doch im 19. und 20. Jahrhundert verschwand dieses historische Wahrzeichen schrittweise aus dem Stadtbild – heute ist keine Spur der Burg mehr sichtbar. Nur in schriftlichen und bildlichen Quellen ist sie noch zu finden.
Genau hier hat das Projekt angesetzt: Anhand der bekannten Quellen wurde die Laurenziburg in verschiedenen Phasen ihrer Geschichte rekonstruiert und mit 3D-Modellen wieder sichtbar gemacht. Gleich-zeitig sollte der Prozess der Rekonstruktion transparent gestaltet werden – mit all seinen Herausforderungen, Möglichkeiten und Grenzen.
Die Arbeit begann mit einer umfassenden Quellenanalyse: Archivdokumente, alte Karten, Zeichnungen, Beschreibungen aus Chroniken und archäologische Befunde wurden gesichtet und ausgewertet. Besonders wertvoll erwiesen sich zeitgenössische Darstellungen, wie z. B. ein Stich aus dem 18. Jahrhundert, der die Burg in ihrer Blütezeit zeigt. Diese Quellen bildeten die Grundlage für die digitale Modellierung.
In enger Zusammenarbeit von Historikern und Experten für digitale archäologische Rekonstruktionen entstanden Modelle verschiedener Bauphasen – von der frühen mittelalterlichen Anlage bis zur barocken Erweiterung. Jede Version wurde sorgfältig dokumentiert, um deutlich zu machen, wo gesicherte Fakten enden und wo Interpretationen beginnen.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts lag deshalb auf der Vermittlung des Rekonstruktionsprozesses selbst. Wie werden fehlende Bauteile ergänzt? Wie wird mit widersprüchlichen Quellen umgegangen? Und welche Rolle spielt die künstlerische Freiheit bei der Visualisierung?
Dabei wurde deutlich: 3D-Rekonstruktionen sind kein Ersatz für archäologische Befunde – sie sind vielmehr ein Werkzeug zur Visualisierung von Wissen und Vermutung. Sie helfen, Geschichte greifbar zu machen, erfordern aber auch eine kritische Haltung gegenüber den eigenen Annahmen. Denn was wir rekonstruieren, ist immer auch eine Interpretation!
Das Ergebnis ist eine interaktive 3D-Rekonstruktion der Laurenziburg, die Besucher:innen durch die verschiedenen Bauphasen führt. Das Projekt „3D-Rekonstruktion der Laurenziburg“ macht nicht nur ein verlorenes Bauwerk wieder sichtbar – es zeigt auch, wie digitale Methoden dazu beitragen können, Geschichte lebendig und zugänglich zu gestalten.

Phase 1 (15. Jahrhundert)

Phase 2 (16. Jahrundert)

Phase 3 (18. Jahrhundert)
Projektteam

Projektleitung
Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e. V.
Projektleitung:
Prof. Dr. Leif Scheuermann und
Prof. Dr. Meike Hensel-Grobe
Projektidee und -management:
Dr. Elmar Rettinger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Dr. Heidrun Ochs
Verwaltung:
Vanessa Wolf
Studentische Hilfskraft:
Michael Reith
Partner, Förderer und externe Dienstleister

Projektpartner
Geschichte und Kultur Nieder-Olm e. V.

3D-Visualisierung
ARGO Edutainment Solutions

Grafikdesign
Creative Arts

Förderer
Stadt Nieder-Olm

Förderer
Stiftung Flughafen Frankfurt/Main

Förderer
Familie Eckes

Förderer
Volksbank Darmstadt Mainz

Förderer
Rheinhessen Sparkasse




